Auszüge aus lebensgeschichtlichen Interviews : 

"Als ich Kind war in den 20er bis 40er Jahren"

Hildegard W. (Jg. 1916)

Wenn ich aus der Schule kam, hatte ich meine Tour zum

Zeitungsaustragen

"1923 gingen die Eltern nach Wittenberch, wo auch Verwandte von Vater wohnten. 1924 holten sie mich auch, und so ging ich ab 1924 in die Katholische Schule. Wir war'n zwei Klassen, eine Klasse für die Großen und eine Klasse für die Kleinen, so zirka 90 Schulkinder. Anfangs fiel es mir hier schwer, weil ich die Kinder schlecht verstand. Ich hatte ja zu Hause nur Platt jesprochen. Und wir hatten zu Hause nur bis zwanzich gerechnet, und in Wittenberg war 's schon bis hundert. Aber ich habe das schnell nachgeholt und bin gern zur Schule gegangen. Mein Vater hat Zeitungen ausgetragen. Er hatte mittachs eine große Tour nach Piesteritz und Apollensdorf. Wenn er im Winter wegen hohem Schnee bis zum Austragen der Abendzeitung noch nich' zu Hause war, musste ich die Abendzeitung austragen von achtzehn bis neunzehn Uhr unjefähr. Dann wurden die Schularbeiten gemacht. Meine Mutter war zu Hause und hat für ein Handarbeitsgeschäft gehäkelt und gestrickt. Ich habe für eine Familie noch die Kohlen hoch geholt, bin einkaufen gegangen und habe den Hund ausgeführt. Dafür bekam ich 25 Pfennig pro Tag. Mein Vater starb im Februar 1927, das war sehr schlimm für uns, denn es gab ja damals keine Unterstützung. Wir hätten täglich Mittagessen aus der Wohlfahrtsküche holen können, aber das wollte meine Mutter auf gar keinen Fall. Sie trug dann die Zeitungen aus. Wenn ich aus der Schule kam, hatte ich meine Tour zum Zeitung austragen. Dann ging ich ins Handarbeitsgeschäft die Wege besorgen, und dafür bekam ich täglich 20 Pfennich. Nach der vierten Klasse bekam ich das Angebot für eine Freistelle im Lyzeum. Als ich meiner Mutter das erzählte, sagte sie: 'Nein, dann kannst du nicht mehr mit Schürze in die Schule gehen, und so viel Geld für neue Sachen, das ha'm wir doch nicht. Das sind alles Kinder aus besseren Häusern, die gehen nicht mit der Schürze zur Schule.' So ging ich weiter in die Katholische Schule. Es hat weh getan, aber es nützte doch nüscht."

Otto F. (Jg. 1924)

Wir gingen in den evangelischen Kindergarten zu Schwester

Elisabeth

"Meine Mutter hatte als Handwerkerkfrau mitzuarbeiten in der Werkstatt, und im Laden die Kundschaft zu bedienen. Sie hatte also nicht viel Zeit für uns, und deshalb mussten wir in den Kindergarten. Meine große Schwester Annemarie und ich, wir gingen in den evangelischen Kindergarten, in das Katharinen-Stift vom Paul-Gerhardt-Stift zu Schwester Elisabeth. Dort war es schön. Wir hatten zwar nicht viel Spielzeug, wir haben viel gesungen und Sternchen geschnippelt und so was gemacht. In der Adventszeit war dann ein Basar. Dort konnte man Basteleien der Diakonissenschwestern kaufen wie Krippen und Kerzenständer und Transparentpapierleuchter. Wir waren dort alles Kinder von Geschäftsleuten und von Handwerkern."

Hans-Joachim K. (Jg.1935)

Diese Weihnachten 1941, die sind mir so in Erinnerung

geblieben

"Wir wohnten unterm Dach in einem Mietshaus in Kleinwittenberg und hatten ein Zimmer, eine schräge Küche und zwei Dachkammern. Wasseranschluss war auf dem Hof, Abfluss und Gas gab es nicht. 1939 wurde mein Bruder geboren, und gleich darauf wurde unser Vater eingezogen. Im Haus war er der einzige Mann, der gleich Soldat wurde. Keiner nahm Rücksicht auf meine Mutter und uns zwei Kinder, im Gegenteil. Weihnachten, das war '41, mein Vater hatte Urlaub gekricht und musste am ersten Weihnachtsfeiertag zurück an die Front. Und zu dieser Weihnachtsfeier - da habe ich meinen Puppenwagen geschenkt gekricht und dazu noch eine Puppe. Die habe ich noch, meine Puppe. Und diese Weihnachten, die sind mir so in Erinnerung geblieben. Mein Vater hat gesagt, dass wir ihn nur zum Bahnhof bringen dürfen, wenn niemand weint. Da stand dann hier in Kleinwittenberg der Zug, und am Bahnhof hing ein Transparent 'Die Räder rollen für den Sieg'. Wir haben uns umgedreht und sind weggegangen, als der Zug abfuhr. Und auf dem Weg nach Hause haben wir alle fürchterlich geweint. Das vergisst man nie, das war so ein trauriges Weihnachten!"

Brigitte M. (Jg. 1935)

Meine Freundin tot und ich hatte den Arm ab.

"Bis 1945 haben wir in Teuchel gelebt, bis ich dann meinen Unfall zum Kriegsende hatte. Das war in den letzten Kriegstagen, im April, beim Beschuss von Wittenberg. Wir holten noch aus Wittenberg Butter, Zucker und andere Lebensmittel mit dem Fahrrad. Und beim Wegräumen der Fahrräder, hörten wir plötzlich Geräusche. Das waren so summende Geräusche. Und plötzlich einen Knall. Und dann war alles passiert. Meine Freundin tot und ich hatte den Arm ab. Wir zwei Mädchen hatten kurzzeitig gespielt, nachdem wir die Räder wegjestellt hatten. Wir hatten Hasche zwischen den Bäumen jespielt. Meine Freundin stand vor dem Baum und hielt den fest. Und dann das Geräusch, ich bin ausgerissen, vor diesem Pfeifen. Ich hatte Angst und wollte ins Haus. Und dann kurz vor dem Haus bin ich gestürzt, dieser Volltreffer ging auch in die Pumpe, die auf dem Hof stand. Das Wasser kam in Fontänen aus dem Brunnen. Überall Wasser. Ich wollte ausweichen, dann hat's mich aber umgeschmissen. Und dann lag ich in dieser Suppe, überall Dreck! Ich wollte aufsteh'n und merkte, der Arm war weg, er war beschädigt. Meine Mutter, die kam gleich runterjestürzt, als es krachte und auch die Mutter meiner Freundin. Und die hat dann ..., das habe ich heute noch im Ohr, wie die offjeschrien hat, als die ihr Kind da liegen sah!"

Reinhard Sch, (Jg. 1941)

Mit sechs Leuten in zwei Zimmerchen

"Am 26. Januar 1945 mussten wir unsere sieben Sachen packen und Schlesien verlassen. Bis zum Mittag sollten wir raus sein. Es sollte ja nicht für lange Zeit sein, wir sollten nur nicht den Russen in die Hände fallen. Die haben uns dann unterwegs eingeholt, unsere Pferde und unseren Wagen weggenommen. Dann besaßen wir nur noch unsere nackte Haut und unsere Betten. Wir haben uns dann einen Handwagen 'besorgt'. Wir kamen hier in Wittenberg mit dem Zug an und wurden von Verwandten aufgenommen, die selbst nur zwei schräge Kammern unter'm Dach bewohnten. In diesen zwei Mansarden wohnten wir vier Monate mit neun Personen. Geschlafen wurde auf Stroh auf dem Fußboden, und beim Essen wurde sich abgewechselt. Die Erwachsenen hatten Bänke gezimmert, damit man sich hinsetzen konnte. Essen war sehr knapp, wir waren manchmal froh, wenn man beim Pferdeschlächter was ergattern konnte. Mit einem Flüchtlingspass konnte man dann von der Volkssolidarität im Schlossgarten was bekommen zum Wohnen; z.B. einen Tisch, Teller, Besteck, Bettwäsche oder auch Unterwäsche. Da kann ich mich noch erinnern, dass meine Mutter Unterwäsche für mich wollte. Und die sagten: 'Der bekommt einen Hampelmann.' Mutter hat sich fürchterlich aufgeregt, weil ich ja was zum Anziehen brauchte und keinen Hampelmann zum Spielen, aber die meinten ja Unterwäsche. Später bekamen wir dann ein Behelfsheim am Lerchenberg zugewiesen. Dort zogen wir dann mit sechs Leuten in zwei Zimmerchen. Oma, Opa, Mutter und wir drei Kinder. Vater war noch in Gefangenschaft. Es gab keinen Ofen, keinen Strom, kein Wasser und keine Toilette in dem Behelfsheim, und trotzdem waren wir froh, es zu besitzen."

Alfred L. (Jg. 1933)

Trainingshose und Gummischuhe zur Konfirmation 1947

"In die Kirche musste ich ja immer gehen und denn zum Konfirmandenunterricht. Vor der Prüfung hab ich genau so gezittert, wie vor dem anderen auch, und vorbereiten mußt' mer uns eben da droff. Und denn, meine Mutter krichte ein Bezugsschein für mich zur Konfirmation. Und da mussten wir nach Radis fahren, und dort kriegte ich eine neue Trainingshose zu kaufen zur Konfirmation. Und die hab ich dann an gehabt. Und ein paar Gummischuh hab ich gehabt, die wurden hier im Gummiwerk hergestellt. Gummi, direkt schwarzer Gummi. Die kamen 300,00 Mark. Die haben wir noch gekauft, dass ich noch 'in paar Schuhe hatte. `in Kamm, der kam 30,00 Mark, auch von Gummiwerk hier. Trainingshose und Gummischuhe, aber 'n Schlips, so was hab ich überhaupt nicht umgehabt. Mutter war mitgegangen, und die Paten waren da. Geschenke, nee, wir haben bloß geguckt nach 'in bisschen Geld. Das war Alliiertengeld. Ich hatte, das weiß ich noch, über 6000 Mark. Aber das hatte ja keenen Wert."

"Russen und Deutsche im Alltag in Wittenberg"

Schule GSSD Nr.19, Lutherstadt Wittenberg mit

Erlaubnis von Alla Emeljanowa

Tschubakow Alexej

Bei uns war damals

( im Jahre 1991, 7 Klasse) üblich sich im Rahmen des „Alltagsaustauschs“ mit deutschen Gleichaltrigen gegenseitig zu besuchen. So waren wir öfters in der Schule „August Bebel“ , und die Schüler dieser Schule bei uns. Dabei musste man „unbedingt“ was mitbringen, als Geschenk. Beim Betreten des Klassenraumes suchte sich jeder einen beliebigen Schüler aus, mit dem man dann die ganze Zeit des Schulbesuches zusammen war. Du hast ihm dein Souvenir geschenkt, und er dir seins. Wir, Jungs, haben uns immer den Partner nach der Größe des Geschenks ausgesucht. Ich weiß noch, wie ich es nicht „geschafft“ hab, mir einen Jungen zu „schnappen“, der auf seinem Tisch ein riesiges Spielzeugauto stehen hatte. Das bekam mein Freund. Ich habe meinem Partner einen Salzstreuer geschenkt, und er mir einen Luftballon, wo eine ganze Menge verschiedenster Süßigkeiten drin war, das war ... so wunderschön gestaltet, ... das sah einfach sehr gut aus! Bei uns gab's mal einen Vorfall. Ein Junge wusste nicht, was er schenken sollte, weil seine Eltern gerade nicht zu Hause waren. Von daher hat er sein Pionierhalstuch verschenkt. Das gab einen Riesenärger... Dabei schenkten uns die deutschen Schüler ihre blauen Boyscout-Halstücher. Schade, dass ich meins dann irgendwann versiebt habe! Solche Freundschaften gab's damals bei uns mit deutschen Schülern! Das war eine schöne Zeit!

Beresan Alex

In unserer Zeit (67-72) gab's noch keine privaten Beziehungen.

Unter Offizieren wurden sie nicht gerade gefördert. Von daher gab's verschiedene Politabteilungen, die dafür sorgten, dass es solche Beziehungen nicht gab. Das rührte aus den Zeiten des Stalinterrors her, als Kontakte mit Ausländern als Heimatverrat interpretiert wurden. Mit Kindern war alles einfacher. Formale Beziehungen gab's immer. Irgendwelche gemeinsamen Veranstaltungen, größtenteils sportliche Feste u s.w. Im Pionierlager haben wir öfters zusammen mit deutschen Kindern Fußball oder Volleyball gespielt. In einem deutschen Pionierlager habe ich das erste Mal in meinem Leben Bowling gespielt. Und in einem internationalen Pionierlager „Rosa Luxemburg“ gab's Freundschaftstreffen mit deutschen Pionieren, die eigentlich keine Deutschen waren, sondern, wenn ich mich nicht irre, ethnische Serben, die in dem Ort wohnten. Jedenfalls waren sie Slawen und haben ähnliche Sprache wie wir gesprochen. An die privaten Beziehungen kann ich mich nicht erinnern. Neben unserem Kontrollpunkt (die Kreuzung Thomas Münzer Strasse und Telmannstrasse) spielten öfters deutsche Kinder aus dem Nachbarhaus. Wir wechselten ab und zu ein paar Worte mit einander, mehr war da nicht drin. Im Jahre 1973 wohnte ich schon in Potsdam. Mit 15 wollte man schon sein eigenes Taschengeld verdienen. So haben wir bei der Erntehilfe mitgemacht. Zusammen mit deutschen Schülern. Einmal haben ich und mein Kumpel den Zug verpasst. Und zwei deutsche Mädchen, die mit uns arbeiteten, auch. Und als Leidensgefährten haben wir schnell gemeinsame Sprache gefunden. Wir sind dann im Park spazieren gegangen, und so verbrachten wir fast den ganzen Tag zusammen. Beim Abschied hat mir das Mädchen, das ich kennen gelernt habe, eine Kette mit Anhänger geschenkt, und ich ihr eine Kette mit Medaillon mit Prägung des Denkmals der Völkerschlacht in Leipzig. Und noch in einer Woche bin ich nach UdSSR abgereist, für immer, wie man damals dachte. Wir haben uns nie wieder gesehen.

Kalnik Alex

Ich weiß noch, dass meine Eltern deutsche Freunde hatten.

Unser Städtchen wurde umzäunt, und die Kinder durften nicht raus. Wir sind aber doch regelmäßig über den Zaun abgehauen, und dann zum See. Direkt hinter unserem Zaun wohnte eine deutsche Familie. Sie hatten in ihrem Garten schöne Blumen. Wir, Jungs, haben uns öfters mit dem alten Mann unterhalten. Es gab dann mal ein Fest, und wir haben ihn gebeten, uns ein paar Blumen zu geben. Er hat dann jedem von uns einen kleinen Strauss aus Tulpen geschenkt ?. Aus UdSSR versuchten wir immer schöne Souvenirs mitzubringen, da wir regelmäßig Freundschaftstreffen hatten. Auf solch einem Treffen haben ich und mein Partner unsere Pionierhalstücher ausgetauscht. Und es gab kein Ärger! Das Halstuch habe ich heute noch. Ich werde es nie vergessen, wie herzlich und mit welcher menschlichen Wärme deutsche Ärzte aus der Nachbarklinik mich aufnahmen, als ich zu ihnen mit einer Verletzung eingewiesen wurde. Überall, wo wir waren, waren die Leute ausgesprochen freundlich zu uns! Das waren die besten Jahre meiner Kindheit. Nach der Rückkehr in die UdSSR war ich sogar eine bestimmte Zeit lang von meinem Land und von meinen Landsleuten enttäuscht, aber das ist schon eine andere Geschichte.

Irina Smirnowa

Wir wohnten (73-76) in einem Haus am Zaun, der deutsches

Territorium von unserem trennte.

Drüben stand ein Häuschen, wo Deutsche wohnten. Es gab Ostern. Ich und meine Mutter standen am Fenster und beobachteten, wie deutsche Kinder Geschenke und Ostereier suchten, die ihre Großeltern für sie liebevoll vorbereitet und im Garten versteckt hatten. Das war völlig neu für uns. Diese Art, Ostern zu feiern. Dann beschlossen wir ihnen von unserer Seite auch was zu schenken. Wir hatten eine Matreschka. Da haben wir Konfekt reingepackt, wieder zugemacht und über den Zaun geworfen. Die Kinder haben sich gefreut.

Wladimir Ermakow

Wir trafen uns auch mit deutschen Schülern,

das war aber, als wir Pioniere waren, in älteren Klassen nicht mehr. Ich kann mich noch gut an eine Geschichte erinnern. Unsere Freundschaftstreffen hat immer eine deutsche Lehrerin organisiert, sie sprach gut Russisch, war sehr nett und freundlich. Später, das war im Jahre 1968, auf einem Treffen mit dem Kommandeur einer Garnison (solche Veranstaltungen gab's auch) hat uns der Leiter der Sonderabteilung erzählt, dass sie verhaftet wurde, sie solle Agent des westlichen Spionagedienstes gewesen sein. Ich konnte nicht richtig daran glauben, sie hat uns irgendwie leid getan.

Auszüge aus "KARLSHORST"  Schule 113, Berlin-Karlshorst,

mit Erlaubnis von Pjanow S.

Wladimir Koncedalow

"Wir haben uns zufällig kennen gelernt.

Es gab neben unserem Haus einen Platz im Park, wo sich Jugendliche trafen. Ich saß mal dort auf der Bank und las ein Buch. Jemand aus der Clique, die vorbeilief, bat mich um eine Zigarette. Als sie mitkriegten, dass ich ein Russe bin, rief ein Mädchen ihre Freundin:´ Elsa, Du wolltest ein russisches Mädchen kennen lernen, und hier ist ein Junge, und er sieht gar nicht übel aus! ´ Da kam Elsa und sagte auf Russisch, dass sie gerne russische Sprache lernen möchte. Ich sagte auf Deutsch, dass es gut ist. Da fing sie an, so schnell zu sprechen, dass ich kein Wort verstand. Später habe ich erfahren, dass es im Deutschen viele Dialekte gibt. Wir lernten Hochdeutsch, und Elsa sprach Sächsisch oder so. Elsa war Studentin des ersten Studienjahres der Technischen Hochschule. Sie musste verschiedene Artikel aus dem Deutschen ins Russische übersetzen und umgekehrt. Gleich auf der Bank half ich ihr beim Übersetzen eines Artikels. Dann gab sie mir ihre Telefonnummer. Wir trafen uns hauptsächlich im Park, aber einmal habe ich sie zu mir nach Hause eingeladen. Als sie das zweite Mal kam, erfuhr mein Vater davon, brachte mir eine Dienstanweisung und las vor: 'Um das Regime der Geheimhaltung zu gewährleisten, wird hiermit angeordnet, die nichtorganisierten Kontakte des privaten Charakters des Personalbestandes völlig auszuschließen oder einzuschränken, nämlich Kontakte der Offiziere und ihrer Familienangehörigen mit der einheimischen Bevölkerung, die ihrerseits Kontakte mit ihren Verwandten in BRD und mit dem Spionagedienst haben können. Die Kontrolle über die Einhaltung dieser Dienstanweisung sollen die Einheiten der Sonderabteilung und Politabteilung mit Heranziehen der Öffentlichkeit übernehmen.´ Und noch hat mein Vater gesagt, dass schon nicht nur einer, der versucht hat mit einer Deutschen was anzufangen, 24 St. für die Vorbereitungen bekam und irgendwo im Gebiet nördlich des Polarkreises oder in Kasandshik landete, wo man das Wasser aus dem Brunnen holen musste.Darauf antwortete ich, dass ich nicht vereidigt bin. ´Das betrifft uns alle! Ist das klar?!´- fragte mein Vater. Als ich Elsa davon erzählt habe, hat sie nur gelacht und gesagt, dass wir uns nun bei ihr treffen können."

IMPRESSUM

PFLUG e.V. Schlossstraße 6 D-06886 Lutherstadt Wittenberg Archive Tel: 03491-64 29 236 Museum Tel:  03491-40 90 04 Büro Tel: 03491-66 94 52 Depot  Tel: 03491-61 16 07 e-mail:  service@pflug-ev.de Vorstand PFLUG e.V. Vereinsreg. WB Nr. 668 Vorsitzender: Dr. Klaus-A. Panzig, Stellvertreter: Prof. Dr. Peter Hertner Vorstandsm.: Elke Sedlacek          Direktorin HdG: Dr. Christel Panzig Haftung:
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Auszüge aus lebensgeschichtlichen

Interviews : 

"Als ich Kind war in den 20er bis 40er

Jahren"

Hildegard W. (Jg. 1916)

Wenn ich aus der Schule kam, hatte ich meine Tour zum

Zeitungsaustragen

"1923 gingen die Eltern nach Wittenberch, wo auch Verwandte von Vater wohnten. 1924 holten sie mich auch, und so ging ich ab 1924 in die Katholische Schule. Wir war'n zwei Klassen, eine Klasse für die Großen und eine Klasse für die Kleinen, so zirka 90 Schulkinder. Anfangs fiel es mir hier schwer, weil ich die Kinder schlecht verstand. Ich hatte ja zu Hause nur Platt jesprochen. Und wir hatten zu Hause nur bis zwanzich gerechnet, und in Wittenberg war 's schon bis hundert. Aber ich habe das schnell nachgeholt und bin gern zur Schule gegangen. Mein Vater hat Zeitungen ausgetragen. Er hatte mittachs eine große Tour nach Piesteritz und Apollensdorf. Wenn er im Winter wegen hohem Schnee bis zum Austragen der Abendzeitung noch nich' zu Hause war, musste ich die Abendzeitung austragen von achtzehn bis neunzehn Uhr unjefähr. Dann wurden die Schularbeiten gemacht. Meine Mutter war zu Hause und hat für ein Handarbeitsgeschäft gehäkelt und gestrickt. Ich habe für eine Familie noch die Kohlen hoch geholt, bin einkaufen gegangen und habe den Hund ausgeführt. Dafür bekam ich 25 Pfennig pro Tag. Mein Vater starb im Februar 1927, das war sehr schlimm für uns, denn es gab ja damals keine Unterstützung. Wir hätten täglich Mittagessen aus der Wohlfahrtsküche holen können, aber das wollte meine Mutter auf gar keinen Fall. Sie trug dann die Zeitungen aus. Wenn ich aus der Schule kam, hatte ich meine Tour zum Zeitung austragen. Dann ging ich ins Handarbeitsgeschäft die Wege besorgen, und dafür bekam ich täglich 20 Pfennich. Nach der vierten Klasse bekam ich das Angebot für eine Freistelle im Lyzeum. Als ich meiner Mutter das erzählte, sagte sie: 'Nein, dann kannst du nicht mehr mit Schürze in die Schule gehen, und so viel Geld für neue Sachen, das ha'm wir doch nicht. Das sind alles Kinder aus besseren Häusern, die gehen nicht mit der Schürze zur Schule.' So ging ich weiter in die Katholische Schule. Es hat weh getan, aber es nützte doch nüscht."

Otto F. (Jg. 1924)

Wir gingen in den evangelischen Kindergarten zu

Schwester Elisabeth

"Meine Mutter hatte als Handwerkerkfrau mitzuarbeiten in der Werkstatt, und im Laden die Kundschaft zu bedienen. Sie hatte also nicht viel Zeit für uns, und deshalb mussten wir in den Kindergarten. Meine große Schwester Annemarie und ich, wir gingen in den evangelischen Kindergarten, in das Katharinen-Stift vom Paul-Gerhardt-Stift zu Schwester Elisabeth. Dort war es schön. Wir hatten zwar nicht viel Spielzeug, wir haben viel gesungen und Sternchen geschnippelt und so was gemacht. In der Adventszeit war dann ein Basar. Dort konnte man Basteleien der Diakonissenschwestern kaufen wie Krippen und Kerzenständer und Transparentpapierleuchter. Wir waren dort alles Kinder von Geschäftsleuten und von Handwerkern."

Hans-Joachim K. (Jg.1935)

Diese Weihnachten 1941, die sind mir so in Erinnerung

geblieben

"Wir wohnten unterm Dach in einem Mietshaus in Kleinwittenberg und hatten ein Zimmer, eine schräge Küche und zwei Dachkammern. Wasseranschluss war auf dem Hof, Abfluss und Gas gab es nicht. 1939 wurde mein Bruder geboren, und gleich darauf wurde unser Vater eingezogen. Im Haus war er der einzige Mann, der gleich Soldat wurde. Keiner nahm Rücksicht auf meine Mutter und uns zwei Kinder, im Gegenteil. Weihnachten, das war '41, mein Vater hatte Urlaub gekricht und musste am ersten Weihnachtsfeiertag zurück an die Front. Und zu dieser Weihnachtsfeier - da habe ich meinen Puppenwagen geschenkt gekricht und dazu noch eine Puppe. Die habe ich noch, meine Puppe. Und diese Weihnachten, die sind mir so in Erinnerung geblieben. Mein Vater hat gesagt, dass wir ihn nur zum Bahnhof bringen dürfen, wenn niemand weint. Da stand dann hier in Kleinwittenberg der Zug, und am Bahnhof hing ein Transparent 'Die Räder rollen für den Sieg'. Wir haben uns umgedreht und sind weggegangen, als der Zug abfuhr. Und auf dem Weg nach Hause haben wir alle fürchterlich geweint. Das vergisst man nie, das war so ein trauriges Weihnachten!"

Brigitte M. (Jg. 1935)

Meine Freundin tot und ich hatte den Arm ab.

"Bis 1945 haben wir in Teuchel gelebt, bis ich dann meinen Unfall zum Kriegsende hatte. Das war in den letzten Kriegstagen, im April, beim Beschuss von Wittenberg. Wir holten noch aus Wittenberg Butter, Zucker und andere Lebensmittel mit dem Fahrrad. Und beim Wegräumen der Fahrräder, hörten wir plötzlich Geräusche. Das waren so summende Geräusche. Und plötzlich einen Knall. Und dann war alles passiert. Meine Freundin tot und ich hatte den Arm ab. Wir zwei Mädchen hatten kurzzeitig gespielt, nachdem wir die Räder wegjestellt hatten. Wir hatten Hasche zwischen den Bäumen jespielt. Meine Freundin stand vor dem Baum und hielt den fest. Und dann das Geräusch, ich bin ausgerissen, vor diesem Pfeifen. Ich hatte Angst und wollte ins Haus. Und dann kurz vor dem Haus bin ich gestürzt, dieser Volltreffer ging auch in die Pumpe, die auf dem Hof stand. Das Wasser kam in Fontänen aus dem Brunnen. Überall Wasser. Ich wollte ausweichen, dann hat's mich aber umgeschmissen. Und dann lag ich in dieser Suppe, überall Dreck! Ich wollte aufsteh'n und merkte, der Arm war weg, er war beschädigt. Meine Mutter, die kam gleich runterjestürzt, als es krachte und auch die Mutter meiner Freundin. Und die hat dann ..., das habe ich heute noch im Ohr, wie die offjeschrien hat, als die ihr Kind da liegen sah!"

Reinhard Sch, (Jg. 1941)

Mit sechs Leuten in zwei Zimmerchen

"Am 26. Januar 1945 mussten wir unsere sieben Sachen packen und Schlesien verlassen. Bis zum Mittag sollten wir raus sein. Es sollte ja nicht für lange Zeit sein, wir sollten nur nicht den Russen in die Hände fallen. Die haben uns dann unterwegs eingeholt, unsere Pferde und unseren Wagen weggenommen. Dann besaßen wir nur noch unsere nackte Haut und unsere Betten. Wir haben uns dann einen Handwagen 'besorgt'. Wir kamen hier in Wittenberg mit dem Zug an und wurden von Verwandten aufgenommen, die selbst nur zwei schräge Kammern unter'm Dach bewohnten. In diesen zwei Mansarden wohnten wir vier Monate mit neun Personen. Geschlafen wurde auf Stroh auf dem Fußboden, und beim Essen wurde sich abgewechselt. Die Erwachsenen hatten Bänke gezimmert, damit man sich hinsetzen konnte. Essen war sehr knapp, wir waren manchmal froh, wenn man beim Pferdeschlächter was ergattern konnte. Mit einem Flüchtlingspass konnte man dann von der Volkssolidarität im Schlossgarten was bekommen zum Wohnen; z.B. einen Tisch, Teller, Besteck, Bettwäsche oder auch Unterwäsche. Da kann ich mich noch erinnern, dass meine Mutter Unterwäsche für mich wollte. Und die sagten: 'Der bekommt einen Hampelmann.' Mutter hat sich fürchterlich aufgeregt, weil ich ja was zum Anziehen brauchte und keinen Hampelmann zum Spielen, aber die meinten ja Unterwäsche. Später bekamen wir dann ein Behelfsheim am Lerchenberg zugewiesen. Dort zogen wir dann mit sechs Leuten in zwei Zimmerchen. Oma, Opa, Mutter und wir drei Kinder. Vater war noch in Gefangenschaft. Es gab keinen Ofen, keinen Strom, kein Wasser und keine Toilette in dem Behelfsheim, und trotzdem waren wir froh, es zu besitzen."

Alfred L. (Jg. 1933)

Trainingshose und Gummischuhe zur Konfirmation

1947

"In die Kirche musste ich ja immer gehen und denn zum Konfirmandenunterricht. Vor der Prüfung hab ich genau so gezittert, wie vor dem anderen auch, und vorbereiten mußt' mer uns eben da droff. Und denn, meine Mutter krichte ein Bezugsschein für mich zur Konfirmation. Und da mussten wir nach Radis fahren, und dort kriegte ich eine neue Trainingshose zu kaufen zur Konfirmation. Und die hab ich dann an gehabt. Und ein paar Gummischuh hab ich gehabt, die wurden hier im Gummiwerk hergestellt. Gummi, direkt schwarzer Gummi. Die kamen 300,00 Mark. Die haben wir noch gekauft, dass ich noch 'in paar Schuhe hatte. `in Kamm, der kam 30,00 Mark, auch von Gummiwerk hier. Trainingshose und Gummischuhe, aber 'n Schlips, so was hab ich überhaupt nicht umgehabt. Mutter war mitgegangen, und die Paten waren da. Geschenke, nee, wir haben bloß geguckt nach 'in bisschen Geld. Das war Alliiertengeld. Ich hatte, das weiß ich noch, über 6000 Mark. Aber das hatte ja keenen Wert."

"Russen und Deutsche im Alltag in

Wittenberg"

Schule GSSD Nr.19, Lutherstadt Wittenberg

mit Erlaubnis von Alla Emeljanowa

Tschubakow Alexej

Bei uns war damals

( im Jahre 1991, 7 Klasse) üblich sich im Rahmen des „Alltagsaustauschs“ mit deutschen Gleichaltrigen gegenseitig zu besuchen. So waren wir öfters in der Schule „August Bebel“ , und die Schüler dieser Schule bei uns. Dabei musste man „unbedingt“ was mitbringen, als Geschenk. Beim Betreten des Klassenraumes suchte sich jeder einen beliebigen Schüler aus, mit dem man dann die ganze Zeit des Schulbesuches zusammen war. Du hast ihm dein Souvenir geschenkt, und er dir seins. Wir, Jungs, haben uns immer den Partner nach der Größe des Geschenks ausgesucht. Ich weiß noch, wie ich es nicht „geschafft“ hab, mir einen Jungen zu „schnappen“, der auf seinem Tisch ein riesiges Spielzeugauto stehen hatte. Das bekam mein Freund. Ich habe meinem Partner einen Salzstreuer geschenkt, und er mir einen Luftballon, wo eine ganze Menge verschiedenster Süßigkeiten drin war, das war ... so wunderschön gestaltet, ... das sah einfach sehr gut aus! Bei uns gab's mal einen Vorfall. Ein Junge wusste nicht, was er schenken sollte, weil seine Eltern gerade nicht zu Hause waren. Von daher hat er sein Pionierhalstuch verschenkt. Das gab einen Riesenärger... Dabei schenkten uns die deutschen Schüler ihre blauen Boyscout- Halstücher. Schade, dass ich meins dann irgendwann versiebt habe! Solche Freundschaften gab's damals bei uns mit deutschen Schülern! Das war eine schöne Zeit!

Beresan Alex

In unserer Zeit (67-72) gab's noch keine privaten

Beziehungen.

Unter Offizieren wurden sie nicht gerade gefördert. Von daher gab's verschiedene Politabteilungen, die dafür sorgten, dass es solche Beziehungen nicht gab. Das rührte aus den Zeiten des Stalinterrors her, als Kontakte mit Ausländern als Heimatverrat interpretiert wurden. Mit Kindern war alles einfacher. Formale Beziehungen gab's immer. Irgendwelche gemeinsamen Veranstaltungen, größtenteils sportliche Feste u s.w. Im Pionierlager haben wir öfters zusammen mit deutschen Kindern Fußball oder Volleyball gespielt. In einem deutschen Pionierlager habe ich das erste Mal in meinem Leben Bowling gespielt. Und in einem internationalen Pionierlager „Rosa Luxemburg“ gab's Freundschaftstreffen mit deutschen Pionieren, die eigentlich keine Deutschen waren, sondern, wenn ich mich nicht irre, ethnische Serben, die in dem Ort wohnten. Jedenfalls waren sie Slawen und haben ähnliche Sprache wie wir gesprochen. An die privaten Beziehungen kann ich mich nicht erinnern. Neben unserem Kontrollpunkt (die Kreuzung Thomas Münzer Strasse und Telmannstrasse) spielten öfters deutsche Kinder aus dem Nachbarhaus. Wir wechselten ab und zu ein paar Worte mit einander, mehr war da nicht drin. Im Jahre 1973 wohnte ich schon in Potsdam. Mit 15 wollte man schon sein eigenes Taschengeld verdienen. So haben wir bei der Erntehilfe mitgemacht. Zusammen mit deutschen Schülern. Einmal haben ich und mein Kumpel den Zug verpasst. Und zwei deutsche Mädchen, die mit uns arbeiteten, auch. Und als Leidensgefährten haben wir schnell gemeinsame Sprache gefunden. Wir sind dann im Park spazieren gegangen, und so verbrachten wir fast den ganzen Tag zusammen. Beim Abschied hat mir das Mädchen, das ich kennen gelernt habe, eine Kette mit Anhänger geschenkt, und ich ihr eine Kette mit Medaillon mit Prägung des Denkmals der Völkerschlacht in Leipzig. Und noch in einer Woche bin ich nach UdSSR abgereist, für immer, wie man damals dachte. Wir haben uns nie wieder gesehen.

Kalnik Alex

Ich weiß noch, dass meine Eltern deutsche Freunde

hatten.

Unser Städtchen wurde umzäunt, und die Kinder durften nicht raus. Wir sind aber doch regelmäßig über den Zaun abgehauen, und dann zum See. Direkt hinter unserem Zaun wohnte eine deutsche Familie. Sie hatten in ihrem Garten schöne Blumen. Wir, Jungs, haben uns öfters mit dem alten Mann unterhalten. Es gab dann mal ein Fest, und wir haben ihn gebeten, uns ein paar Blumen zu geben. Er hat dann jedem von uns einen kleinen Strauss aus Tulpen geschenkt ?. Aus UdSSR versuchten wir immer schöne Souvenirs mitzubringen, da wir regelmäßig Freundschaftstreffen hatten. Auf solch einem Treffen haben ich und mein Partner unsere Pionierhalstücher ausgetauscht. Und es gab kein Ärger! Das Halstuch habe ich heute noch. Ich werde es nie vergessen, wie herzlich und mit welcher menschlichen Wärme deutsche Ärzte aus der Nachbarklinik mich aufnahmen, als ich zu ihnen mit einer Verletzung eingewiesen wurde. Überall, wo wir waren, waren die Leute ausgesprochen freundlich zu uns! Das waren die besten Jahre meiner Kindheit. Nach der Rückkehr in die UdSSR war ich sogar eine bestimmte Zeit lang von meinem Land und von meinen Landsleuten enttäuscht, aber das ist schon eine andere Geschichte.

Irina Smirnowa

Wir wohnten (73-76) in einem Haus am Zaun, der

deutsches Territorium von unserem trennte.

Drüben stand ein Häuschen, wo Deutsche wohnten. Es gab Ostern. Ich und meine Mutter standen am Fenster und beobachteten, wie deutsche Kinder Geschenke und Ostereier suchten, die ihre Großeltern für sie liebevoll vorbereitet und im Garten versteckt hatten. Das war völlig neu für uns. Diese Art, Ostern zu feiern. Dann beschlossen wir ihnen von unserer Seite auch was zu schenken. Wir hatten eine Matreschka. Da haben wir Konfekt reingepackt, wieder zugemacht und über den Zaun geworfen. Die Kinder haben sich gefreut.

Wladimir Ermakow

Wir trafen uns auch mit deutschen Schülern,

das war aber, als wir Pioniere waren, in älteren Klassen nicht mehr. Ich kann mich noch gut an eine Geschichte erinnern. Unsere Freundschaftstreffen hat immer eine deutsche Lehrerin organisiert, sie sprach gut Russisch, war sehr nett und freundlich. Später, das war im Jahre 1968, auf einem Treffen mit dem Kommandeur einer Garnison (solche Veranstaltungen gab's auch) hat uns der Leiter der Sonderabteilung erzählt, dass sie verhaftet wurde, sie solle Agent des westlichen Spionagedienstes gewesen sein. Ich konnte nicht richtig daran glauben, sie hat uns irgendwie leid getan.

Auszüge aus "KARLSHORST"  Schule 113, Berlin-

Karlshorst,

mit Erlaubnis von Pjanow S.

Wladimir Koncedalow

"Wir haben uns zufällig kennen gelernt.

Es gab neben unserem Haus einen Platz im Park, wo sich Jugendliche trafen. Ich saß mal dort auf der Bank und las ein Buch. Jemand aus der Clique, die vorbeilief, bat mich um eine Zigarette. Als sie mitkriegten, dass ich ein Russe bin, rief ein Mädchen ihre Freundin:´ Elsa, Du wolltest ein russisches Mädchen kennen lernen, und hier ist ein Junge, und er sieht gar nicht übel aus! ´ Da kam Elsa und sagte auf Russisch, dass sie gerne russische Sprache lernen möchte. Ich sagte auf Deutsch, dass es gut ist. Da fing sie an, so schnell zu sprechen, dass ich kein Wort verstand. Später habe ich erfahren, dass es im Deutschen viele Dialekte gibt. Wir lernten Hochdeutsch, und Elsa sprach Sächsisch oder so. Elsa war Studentin des ersten Studienjahres der Technischen Hochschule. Sie musste verschiedene Artikel aus dem Deutschen ins Russische übersetzen und umgekehrt. Gleich auf der Bank half ich ihr beim Übersetzen eines Artikels. Dann gab sie mir ihre Telefonnummer. Wir trafen uns hauptsächlich im Park, aber einmal habe ich sie zu mir nach Hause eingeladen. Als sie das zweite Mal kam, erfuhr mein Vater davon, brachte mir eine Dienstanweisung und las vor: 'Um das Regime der Geheimhaltung zu gewährleisten, wird hiermit angeordnet, die nichtorganisierten Kontakte des privaten Charakters des Personalbestandes völlig auszuschließen oder einzuschränken, nämlich Kontakte der Offiziere und ihrer Familienangehörigen mit der einheimischen Bevölkerung, die ihrerseits Kontakte mit ihren Verwandten in BRD und mit dem Spionagedienst haben können. Die Kontrolle über die Einhaltung dieser Dienstanweisung sollen die Einheiten der Sonderabteilung und Politabteilung mit Heranziehen der Öffentlichkeit übernehmen.´ Und noch hat mein Vater gesagt, dass schon nicht nur einer, der versucht hat mit einer Deutschen was anzufangen, 24 St. für die Vorbereitungen bekam und irgendwo im Gebiet nördlich des Polarkreises oder in Kasandshik landete, wo man das Wasser aus dem Brunnen holen musste.Darauf antwortete ich, dass ich nicht vereidigt bin. ´Das betrifft uns alle! Ist das klar?!´- fragte mein Vater. Als ich Elsa davon erzählt habe, hat sie nur gelacht und gesagt, dass wir uns nun bei ihr treffen können."
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